Dieses Publikum weiß längst, wie du aussiehst
Auf jeder anderen Seite hier geht es um ein Foto, das jemanden überzeugen muss. Hier nicht. Dein Messenger-Bild sehen deine Familie, deine Freundinnen und Freunde, die Gruppe vom Kleinfeldfußball und der Handwerker. Sie kennen dein Gesicht. Dieses Foto muss keine Kompetenz belegen, und ein Bild, das es versucht — Sakko, Studiohintergrund, Kinn leicht gesenkt —, wirkt unter Menschen, die dich letzte Woche mit Pommes gesehen haben, unfreiwillig komisch.
Was es stattdessen leisten soll: aktuell und warm sein. Das häufigste Problem ist nicht, dass das Bild unprofessionell wäre, sondern dass es vier Jahre und eine Frisur alt ist, oder dass es ein Gruppenfoto ist, so eng beschnitten, dass noch die halbe Schulter einer fremden Person darauf zu sehen ist. Für Menschen, die dich kennen, erkennbar zu sein, ist eine niedrigere Hürde als beeindruckend auszusehen — aber erstaunlich viele Profilbilder reißen sie.
Nichts anderes wird so klein dargestellt
In der Chatliste ist dein Bild ein Kreis von etwa der Höhe zweier Textzeilen, neben einem Namen und einer Nachrichtenvorschau, auf einem Handy in Armlänge. Es ist kleiner als das Vorschaubild eines Berufsnetzwerks und sehr viel kleiner als eine Besprechungskachel. Das ist die Einschränkung, um die herum das Bild gebaut sein muss, und der Grund, warum ein Foto, das in der Galerie großartig aussieht, in der Liste ein unlesbares graues Oval sein kann.
Alles Weitere folgt daraus. Beschneide enger, als sich richtig anfühlt — das Gesicht soll den Kreis weitgehend füllen und nicht höflich in der Mitte einer Totale sitzen. Trag eine einzige klare Farbe, denn Muster werden zu Rauschen. Setz etwas hinter dich, das sich im Ton deutlich von Haaren und Haut unterscheidet. Und prüf es auf dem Handy, nicht am Laptop, denn das Handy ist der einzige Bildschirm, auf dem es je zu sehen sein wird.
Ein Wechsel ist ein kleines gesellschaftliches Ereignis
Anders als bei einem Firmenverzeichnis sehen dein Messenger-Bild Menschen, denen der Wechsel auffällt, und manche sagen es dir auch. Das ist kein Grund, es nicht zu wechseln, aber es lohnt zu wissen, dass dieses Foto ein kleines Signal trägt, das die anderen nicht haben — ein neues nach einem Haarschnitt, einem neuen Job oder einem schweren Jahr wird als Nachricht gelesen, ob du es so gemeint hast oder nicht.
Praktisch heißt das: Nimm etwas, das du zwei Jahre stehen lassen magst, statt etwas, das zu diesem Monat passt. Ein Bild, das warm, nah und gut ausgeleuchtet ist und sich nicht auf eine Jahreszeit oder eine Frisur festlegt, die du gleich wieder herauswächst, hält deutlich länger als eines von einem bestimmten Anlass — das sieht nach genau diesem Anlass aus, sobald der Anlass vorbei ist.




